„Team Wallraff“ deckt auf: Kaufland sorgt mit Hygienemängel für Furore
In einer neuen Reportage nimmt das „Team Wallraff“ die Supermarktkette Kaufland unter die Lupe. Mit teils erschreckenden Ergebnissen.

Seit Jahren infiltrieren Reporter*innen von „Team Wallraff – Reporter undercover“ Unternehmen und Einrichtungen wie Pflegeheime, Gaststätten, Hotels oder Restaurantketten, um Missstände wie schlechte Arbeitsbedingungen, Ausbeutung, Hygienemängel oder Diskriminierung ans Licht zu bringen. Die investigative Reportage-Reihe, die vom Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff initiiert wurde, dokumentiert dabei mit versteckter Kamera, wie Mitarbeiter*innen in solchen Einrichtungen unter prekären Bedingungen arbeiten müssen und wie weit Missstände in den jeweiligen Branchen verbreitet sind. Im April 2025 wurde eine weitere Recherche des Formats veröffentlicht: Diesmal nahm das Team die Supermarktkette Kaufland, die wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, unter die Lupe. Mit erschütternden Ergebnissen!
Auf der nächsten Seite erfährst du, welche:

Hygienemängel bei Kaufland aufgedeckt
Im April 2025 zeigt RTL eine neue Folge von „Team Wallraff – Reporter undercover“, die die Zuschauer*innen fassungslos macht. So prüfte das Team, das auch mit Mitarbeiter*innen des Stern zusammenarbeitete, „insgesamt 50 Kaufland-Filialen in zwölf Bundesländern“. Vorausgegangen waren zahlreiche Hinweise und Gespräche mit Mitarbeiter*innen und Insider*innen, die schließlich zu einer „fast einjährigen, bundesweiten Recherche“ führten. Und die Ergebnisse machen fassungslos! Die komplette Recherche ist bei RTL+ zu sehen.
Genauere Infos gibt es auf den nächsten Seiten:
„Ganz klare Verbrauchertäuschung“: Aufdeckung an der Frischetheke
Verkleidet als Verkäuferin an der Frischetheke wird Undercover-Reporterin Silan bei ihrem Einsatz in einer Kaufland-Filiale in Bad Tölz mehrfach von ihren Kolleg*innen aufgefordert, scheinbar verdorbene oder abgelaufene Produkte weiterhin zum Verkauf anzubieten. So soll sie angeschimmelten Käse an den betroffenen Stellen abschneiden und ihn dann wieder in die Theke legen. Dann geht es um ein leicht verderbliches Antipasti. Dieses müsste eigentlich lauf Ablaufdatum entsorgt werden. „Meine Kollegin Erika will aber, dass ich einen neuen Kürbis-Garnelen-Salat aus dem Lager hole und den alten einfach drunter mische“, erläutert die Reporterin. „Streich Kürbis, weil du hast einen neuen. Der Alte bleibt unter uns, okay? Du weißt von nichts. Du packst es oben drauf. Und dann tust du das Ältere so vermischen“, fordert die Mitarbeiterin sie auf. Eine Ernährungs -und Lebensmittelexpertin klärt im Anschluss über den Vorfall auf: „Dieses Vermischen geht überhaupt nicht, denn das ist ganz klare Verbrauchertäuschung.“ Möglich wäre es hingegen, das Produkt, das zeitnah abläuft, zu einem günstigeren Preis zu verkaufen.
Leider war es das aber noch nicht:
„Es ekelt mich“: Mäuseplage im Lagerraum entdeckt
Überlastete Mitarbeiter*innen berichten dem „Team Wallraff“ außerdem von erheblichem Zeitdruck, der häufig zulasten der Hygiene geht. Dies wird durch die Recherchen bestätigt: Von einem „besorgniserregendem Schimmelbefall in Kühlregalen bis hin zu Mäusen in einem Kaufland im saarländischen Homburg“, ist bei RTL die Rede. Die Reporterin erklärt: „Als ich die ersten mit Brot zur Seite schiebe, entdecke ich schon überall auf dem Boden eingetrockneten und frischen Mäusekot. Es ekelt mich. Aber noch viel schlimmer: Auch die Rollis, in denen das Brot gestapelt wird, sind komplett verklebt mit Mäusekot.“ Und dort nimmt auch eine Nachtsichtkamera unter einem Regal für Kekse und Kuchen in nur sechs Stunden 48 Mäusebewegungen auf. Informant*innen schickten der Redaktion sogar Fotos, die eine tote Maus auf einer Toastbrotverpackung zeigen sollen.
Auch hier ist Hygiene Mangelware:

Defekte Kühltruhen und Schimmel
Ein weit verbreitetes Problem sind defekte Kühltruhen. In etwa 80 Prozent der 50 Kaufland-Filialen fanden die Reporterinnen Probleme mit den Kühlsystemen. Viele Kühlmöbel waren undicht, Türen oder Glaswände beschlagen, und oft lagen Auffangbänder und Wischlappen herum – Anzeichen dafür, dass die Kühlung die richtige Temperatur nicht dauerhaft hält und somit Keime begünstigen kann. In der Kaufland-Filiale in Detmold dokumentierte das Team Pfützen unter den Gefriertruhen, die das Personal mit Papiertüchern aufwischte, vermutlich aufgrund undichter Theken. In 20 von 50 besuchten Filialen fanden sie Auffangbänder für Wasser. In Gera entdeckten die Journalist*innen eingetrocknete Flüssigkeit zwischen Fleischregalen, und in Köln fanden sie gelbe und rote Flüssigkeit neben Fleischwaren. Die Feuchtigkeit ist ein idealer Nährboden für Schimmel, der an Kühlregalen, unter Verpackungen und an Türen dokumentiert wurde. Lebensmittelkontrolleur Bernd Stumm vermutet, dass dieses Problem über längere Zeit unbemerkt blieb, da Schimmel erst nach einer gewissen Zeit sichtbar wird – ein Hinweis auf mangelnde Reinigung.
Dass man es mit der Reinigung nicht so genau nimmt, zeigt auch das Folgende:

Keine Zeit für gründliche Hygiene
Außerdem werden beide Reporterinnen Zeuginnen der Tatsache, dass eine gründliche Reinigung in den beiden überprüften Märkten offenbar nur vor einer angekündigten Revision, also einer internen Kontrolle, stattfindet. Dies bestätigen auch ehemalige Mitarbeiter*innen in Interviews mit „Team Wallraff“. Wie Lina und Silan während ihrer Einsätze in Gesprächen mit Kolleg*innen erfahren, haben die Angestellten unter normalen Bedingungen nicht genug Zeit für gründliche Hygienemaßnahmen und die Reinigung der Verkaufsflächen. Zudem soll angeblich an ausreichend professionellen Reinigungskräften gespart werden.
Auch bei den Produkten selbst wurde nachgeforscht:
„Nichts anderes als Tiersch***“: Keime im Hühnerfleisch gefunden
Einer der Reporter möchte es genau wissen: Wie viele Keime befinden sich im angebotenen Fleisch? Auf seiner Einkaufsliste stehen Hähnchenbrustfilet, Hähnchenoberkeule und Hähnchenflügel. Und so gehen schließlich 30 Proben aus 10 Filialen ins Labor. „15 der 30 Proben [...] konnten Campylobacter nachgewiesen werden.“ Dabei handelt es sich laut Expertin um „Darmbakterien, die eigentlich nur im Darm vorkommen. Und sie haben auf Lebensmitteln überhaupt nichts zu suchen. [...] Der Darminhalt, das ist nichts anders als Tiersch***. Und die möchte man nicht auf dem Fleisch haben.“ Außerdem sind sie nicht ganz ungefährlich; sie können den Menschen krank machen.
Wie kam die Reportage bei den Zuschauenden an?
„Das ist so übel“: So reagieren die Zuschauer*innen auf die Missstände
Doch wie reagieren die Zuschauenden auf die erschreckenden Bilder aus der Reportage? Immerhin gehen sicherlich nicht wenige regelmäßig bei der Supermarktkette einkaufen. Im Netz sind erwartungsgemäß viele User*innen fassungslos: „Es war eklig. Ich habe umgeschaltet“ oder „Das ist so übel, ich hab des gestern angeschaut. Heftig!“, heißt es unter anderem in den Kommentaren. Manche fordern auch, dass die Recherche auf andere Supermärkte ausgeweitet wird: „Bin mir sehr sicher, das es nicht nur ein Kaufland-Problem ist, sondern generell es im Lebensmitteleinzelhandel so abläuft!“ oder „Man bedenke, in vielen Lebensmittelläden passiert genau dasselbe, also es gibt nicht nur Kaufland, sondern auch Penny, Rewe, Edeka“, betonen sie.
Und was sagt Kaufland selbst zu den Enthüllungen?

So reagiert Kaufland auf die Vorwürfe
Eine Stellungnahme von Deutschlands führender Supermarktkette folgt prompt: „Ihre Darstellungen zum Umgang mit Ware in der Theke entsprechen definitiv nicht unseren Vorgaben. Wir haben Ihre Fragen daher zum Anlass genommen, die Umsetzung unserer Prozesse in Bad Tölz auf den Prüfstand zu stellen und sehr kritisch zu hinterfragen. Die Untersuchungen dazu dauern noch an“, heißt es laut RTL. Und auch auf die scheinbare Mäuseplage reagiert Kaufland: „Wir werden die Filiale voraussichtlich ab Mai 2025 baulich als auch technisch auf einen aktuellen Stand bringen [...] Diese Modernisierung wird auch wesentlich dazu beitragen, Schädlingsbefall effektiv zu verhindern. Seit dem Schädlingsbefall im Jahr 2024 sind wir in enger Abstimmung mit der zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörde und Experten. Die umgesetzten Maßnahmen wirken, dies wurde uns bei den Nachkontrollen der Lebensmittelüberwachung bestätigt.“
Auch auf Instagram folgt eine Stellungnahme:
Erste Konsequenzen: Kaufland schließt Filialen
Nach der Ausstrahlung zieht Kaufland am 4. April erste Konsequenzen: Die Filiale in Bad Tölz in Bayern schließt bis zum 12. April, wie RTL erfährt. Auf einem Aushang heißt es: „Die aktuelle Berichterstattung hat uns sehr betroffen gemacht.” Auch eine Filiale in Homburg im Saarland sei mittlerweile „bis auf Weiteres” geschlossen. Die Supermarktkette selbst meldet sich dann noch mit einem Beitrag auf Instagram bei ihren Kund*innen: „Was wir heute Abend gesehen haben, ist absolut nicht hinnehmbar. Die Kunden erwarten etwas anderes von Kaufland. Und das zu Recht. Wenn es um Sauberkeit und Hygiene geht, haben wir sehr strenge Regeln und klare Kontrollen. Warum diese in den gezeigten Fällen nicht gegriffen haben, prüfen wir sehr sorgfältig.“